Denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung
BAUHERR: WKR, Wohnstätte Krefeld Wohnungs-AG
LEISTUNGSUMFANG: LP 1-9
PLANUNG: 2023/2024
FERTIGSTELLUNG: 2026
Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble am Westwall 37–39 blickt auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Seine Ursprünge reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Über Jahrzehnte ist der Bestand erweitert und verändert worden. So hat sich ein komplexes Ensemble aus Vorderhaus, Hinterhaus und zwei Seitenflügeln entwickelt, dessen unterschiedliche Bauphasen bis heute ablesbar sind.

Eine prägende Phase hat 1933 mit dem Erwerb des Hauses durch den damaligen Jungmänner- und Männerverein begonnen. Der CVJM Krefeld hat hier ein Lehrlingsheim eingerichtet und den Ort über viele Jahrzehnte durch Gemeinschaft, Betreuung und soziales Engagement geprägt. Auch nach Beschädigungen während des Zweiten Weltkriegs und größeren baulichen Veränderungen in den 1950er-Jahren ist das Haus eng mit dem CVJM und seiner sozialen Arbeit verbunden geblieben.
2021 hat der CVJM seinen Krefelder Standort aufgegeben und das Gebäude an die Krefelder Tafel übertragen. 2023 hat die Wohnstätte Krefeld das Ensemble mit dem Ziel erworben, den historischen Bestand langfristig zu sichern und ihm eine neue Perspektive zu geben.
Im Zuge der denkmalgerechten und energetischen Sanierung wird das Gebäudeensemble neu geordnet und behutsam weiterentwickelt. Die historische Bausubstanz bleibt als wesentlicher Träger der Identität erhalten. Gleichzeitig werden die räumlichen und technischen Voraussetzungen für eine zeitgemäße Nutzung geschaffen.


Das ehemalige Lehrlingsheim wird in ein sozial-karitatives Zentrum mit insgesamt sieben Wohnungen umgenutzt. Vorgesetzte Balkone, ein verbindender Steg und ein zusätzliches Treppenhaus ergänzen den Bestand. Die neuen Bauteile verbessern Erschließung, Nutzbarkeit und Aufenthaltsqualität und bleiben zugleich als zeitgenössische Eingriffe ablesbar. Der Entwurf knüpft bewusst an die soziale Geschichte des Hauses an.

Ein Haus, dessen soziale Aufgabe sich verändert – dessen Grundgedanke aber bleibt: Raum für Gemeinschaft zu schaffen.
Im Vorderhaus entstehen sieben öffentlich geförderte Wohnungen, eine weitere Wohneinheit liegt im linken Flügel. Die zum Innenhof orientierten Balkone erweitern die Wohnungen um private Freibereiche und stärken die Beziehung zwischen Innenraum und Hof.

Der neu gestaltete und begrünte Innenhof bildet die gemeinsame Mitte des Ensembles. Er verbindet die unterschiedlichen Gebäudeteile und Nutzungen und schafft Raum für Aufenthalt, Begegnung und gemeinschaftliche Aktivitäten.



Die rückwärtigen Gebäudeteile bleiben sozialen und karitativen Nutzungen vorbehalten. Hier befinden sich Räume der Krefelder Tafel und der Kindertafel sowie Angebote von MOBIFANT für die offene Kinder- und Jugendarbeit. Die Räume bieten Möglichkeiten zum Spielen, Lernen, Basteln und gemeinsamen Essen sowie geschützte Bereiche für Betreuung und Begegnung.
Eine Terrasse im ersten Obergeschoss erweitert die Kinder- und Jugendarbeit um einen geschützten Außenraum. Als Lern- und Erlebnisgarten bietet sie Raum für Aufenthalt, gemeinsames Gärtnern und unmittelbare Naturerfahrung.

Die energetische Sanierung berücksichtigt die besonderen Anforderungen des denkmalgeschützten Bestands. Dach- und Außenbauteile werden im Rahmen der denkmalpflegerischen Möglichkeiten energetisch verbessert und konstruktive Schwachstellen gezielt optimiert.



Die Fenster werden in das energetische Gesamtkonzept integriert. Sonnenschutzverglasungen und eine erhöhte Nachtlüftung unterstützen den sommerlichen Wärmeschutz und reduzieren die Aufheizung der Nutzungsräume.
Die Wärmeversorgung erfolgt über ein hybrides System. Eine Luft-Wärmepumpe deckt die Grundlast, eine Gas-Brennwertanlage übernimmt ergänzend die Spitzenlast. Die Wärmeabgabe erfolgt über Heizkörper mit geregelten Thermostatventilen.
Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über elektrische Durchlauferhitzer. Die Räume werden grundsätzlich über die Fenster natürlich belüftet. Gemäß Lüftungskonzept erhalten Bäder und WCs bedarfsgesteuerte Einzellüfter. Die Nachströmung erfolgt über Außenwand-Luftdurchlässe in Fenstern und Fassade.
Besondere Anforderungen ergeben sich aus dem Brandschutz und dem Schallschutz innerhalb des komplexen historischen Bestands. Unterschiedliche Nutzungen, vorhandene Gebäudestrukturen und verschiedene Bauphasen erfordern eine sorgfältige Abstimmung der Maßnahmen.
Insbesondere die schalltechnische Ertüchtigung der bestehenden Bauteile ist mit erheblichem konstruktivem Aufwand verbunden. Ziel ist es, zeitgemäßen Wohn- und Nutzungskomfort mit dem weitgehenden Erhalt der historischen Bausubstanz zu verbinden.
Auch die brandschutztechnische Neuordnung berücksichtigt die vorhandene Gebäudestruktur und die unterschiedlichen Nutzungsbereiche. Das zusätzliche Treppenhaus und die angepasste Erschließung leisten dabei einen wesentlichen Beitrag zu einer sicheren und zeitgemäßen Nutzung des Ensembles.


So verbindet die Sanierung den Erhalt denkmalgeschützter Bausubstanz mit zeitgemäßen Anforderungen an Wohnen, soziale Nutzung, Energieeffizienz, Komfort und Gebäudetechnik – und führt die soziale Tradition des Hauses in neuer Form fort.